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Nanopartikel
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top
Der Begriff Nanopartikel, auch Nanoteilchen, bezeichnet VerbĂŒnde von einigen wenigen bis einigen tausend Atomen oder MolekĂŒlen. Der Namensbestandteil Nano verweist auf die Maximaldurchmesser der Partikel, der typischerweise bei 1 bis 100 Nanometern (nm) liegt. Nanopartikel sind gemÀà ISO/TS 27687:2008cite-ref-1[1] Nanoobjekte mit drei Ă€uĂeren Dimensionen. Nanopartikel können aus unterschiedlichen Stoffen bestehen und eine Umweltbelastung darstellen. Nanopartikel aus Kunststoff, die kleiner als Mikroplastik sind, werden Nanoplastik genannt.cite-ref-dana-2-0[2]
FĂŒr Nanopartikel gibt es viele mögliche Anwendungsgebiete. So könnten sie z. B. zur Verbesserung diverser Materialien im Haushalt genutzt werden. In der Medizin könnte man mit Hilfe von Nanopartikeln einen zielgerichteten Transport von Medikamenten im Körper oder eine schonendere Form der Krebstherapie erzielen. Auch in der Elektrotechnik könnten Nanopartikel dazu beitragen, z. B. leistungsfĂ€higere und kleinere Computer zu ermöglichen.
Das hohe Nutzenpotential hat einen drastischen Anstieg in Herstellung und Anwendung der unterschiedlichsten Arten von Nanopartikeln zur Folge, doch es eröffnet sich auch ein breites Spektrum an möglichen Gefahren fĂŒr uns und unsere Umwelt. Es ist noch Ă€uĂerst unklar, welche Nanopartikel eine Wirkung auf Organismen haben. Mit möglichen GefĂ€hrdungen, welche von den Nanopartikeln wĂ€hrend ihrer Herstellung, Verwendung und Entsorgung fĂŒr die Umwelt ausgehen, befasst sich unter anderem die Ăkotoxikologie, da Nanopartikel neuartige chemische und physikalische Eigenschaften aufweisen.
Contents
âą IndustrieruĂ
âą Halbleiter
âą Metalle
âą Nanowasser
âą Herstellung
âą Verwendung
âą Nanoelektronik
âą Nanomaterialien
âą Entsorgung
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Eigenschaften nanoskaliger Partikel
â⊠jedes Material, das man in den NanomaĂstab bringt, besitzt einzigartige Eigenschaften â sowohl physikalisch, chemisch, morphologisch wie auch biologisch.â
â
Philip Democritou
Nanopartikel besitzen spezielle chemische und physikalische Eigenschaften, die deutlich von denen von Festkörpern oder gröĂerer Partikel abweichen. Dies sind unter anderem:
âą höhere chemische ReaktivitĂ€t durch groĂe spezifische OberflĂ€che (groĂe TeilchenoberflĂ€che im VerhĂ€ltnis zum Volumen) möglich
⹠geringer Einfluss von MassenkrÀften (Gewichtskraft) und zunehmender Einfluss von OberflÀchenkrÀften (z. B. Van-der-Waals-Kraft)
⹠zunehmende Bedeutung von OberflÀchenladung (siehe DLVO-Theorie) sowie thermodynamischen Effekten (Brownsche Molekularbewegung)
⹠daraus können stabile Suspensionen aber auch Aggregatbildung resultieren
âą spezielle optische Eigenschaften
Letztendlich beruhen diese Eigenschaften der Nanopartikel auf der extrem hohen OberflĂ€chenladung, die Kompensation sucht. Diese erhöhte ReaktivitĂ€t begrenzt jedoch die Lebensdauer als âsingulĂ€re Nanopartikelâ auf sehr kurze Zeiten. Wenn keine gezielte Isolation durch Ionen- bzw. Micellenbeladung erfolgt, kommt es sehr schnell zu Ladungsausgleich durch Agglomeration bzw. Aggregation (z. B. durch Ultraschall-Beschallung und Vortexen), die gemÀà dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik nur unter Einsatz entsprechend hoher EnergieeintrĂ€ge wieder zu lösen ist. Diese Lebensdauer singulĂ€rer Nanopartikel kann ein Kriterium bei der Risikobewertung darstellen und gelegentlich die Einbeziehung nanostrukturierter Materialien in Risikobewertungen ausschlieĂen.
Vorkommen und Formen
Nanopartikel können sowohl auf natĂŒrlichem Wege (z. B. Viren, oder etwa bei Vulkanausbruch oder Waldbrand) als auch durch anthropogene (vom Menschen verursachte) EinflĂŒsse, wie Kfz- und Industrieabgase, in die Umwelt gelangen. So versteht man unter IndustrieruĂ lediglich sehr kleine Kohlenstoffteilchen, die z. B. auch bei Verbrennungsprozessen entstehen können.
Synthetische Nanopartikel sind kĂŒnstlich hergestellte Teilchen, die gezielt mit neuen Eigenschaften und/oder FunktionalitĂ€ten ausgestattet sind, wie z. B. elektrische LeitfĂ€higkeit, chemische ReaktivitĂ€t. Synthetische Nanopartikel können entsprechend ihrer chemischen und physikalischen Eigenschaften untergliedert werden. In der Forschung und Anwendung weit verbreitete Gruppen sind:
⹠Metall- und Halbmetall-Oxide (Siliciumdioxid (SiO2), Titandioxid (TiO2), Aluminiumoxid (Al2O3), Eisenoxide (Fe2O3 oder Fe3O4), Zinkoxid (ZnO) sowie Zeolithe und andere auf Silizium basierende mesoporöse Materialien wie MCM-41 oder SBA-15)
âą Metalle (Gold (Au), Silber (Ag), Eisen (Fe))
âą Metallsulfide
âą Nanoplastik
Kohlenstoffhaltige Nanopartikel können in unterschiedlichen Formen vorliegen:
âą Fullerene
⹠Einzel- und mehrwandige Nanoröhren
âą Graphen
âą Nanofasern
âą IndustrieruĂ (engl. carbon black)
âą Diamant-Ă€hnlicher Kohlenstoff (engl. diamond-like carbon)
âą Zwiebel-Ă€hnlicher Kohlenstoff (engl. onion-like carbon)cite-ref-4[4]
IndustrieruĂ
Graphit (eine Form des Kohlenstoffs, neben Diamant und Fulleren) ist die Grundstruktur von IndustrieruĂ (carbon black). Es ist ein weiches, schwarz-metallisch glĂ€nzendes Material, das sowohl in natĂŒrlicher Form vorkommt als auch kĂŒnstlich hergestellt werden kann. Die Kristallstruktur des Graphits besteht aus vielen ĂŒbereinanderliegenden parallelen Schichten, die in GröĂe und Anordnung variieren können. Innerhalb dieser Schichten kondensieren sp2-hybridisierte Kohlenstoffatome zu aromatischen Sechsringen und bilden ein konjugiertes Ï-System.
Carbon black ist die englische Bezeichnung fĂŒr IndustrieruĂ, der unter kontrollierten Bedingungen gezielt hergestellt wird und physikalisch und chemisch definiert ist. Dem gegenĂŒber steht der Kamin- bzw. DieselruĂ, der als nicht genau definiertes Nebenprodukt bei der Verbrennung von Kohle bzw. Kohlenwasserstoffen entsteht.cite-ref-donnet-5-0[5]cite-ref-bansal-6-0[6]cite-ref-degussa-7-0[7]
IndustrieruĂ besteht zu 96â99 % aus Kohlenstoff, die restlichen Anteile sind Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Schwefel, die gröĂtenteils (in funktionellen Gruppen) an der OberflĂ€che chemisch gebunden sind. An den Ecken und Kanten der aromatischen Verbindungen ist die OberflĂ€chenenergie am gröĂten, so dass eine Adsorption von Gasen und FlĂŒssigkeiten bevorzugt stattfindet.cite-ref-donnet-5-1[5]cite-ref-bansal-6-1[6]
Die Oxid-Gruppen auf der PorenoberflĂ€che haben den gröĂten Einfluss auf die physikochemischen Eigenschaften des IndustrieruĂes, wie die WasseradsorptionsfĂ€higkeit und katalytische, chemische und elektrische ReaktivitĂ€t. HauptsĂ€chlich bilden sich dabei basische Hydroxy-, saure Carboxy- sowie Carbonyl- und Lacton-Gruppen auf der OberflĂ€che. Bei der Herstellung von AktivruĂen können dabei funktionelle Sauerstoffgruppen mit einem Massenanteil von bis zu 15 % eingefĂŒhrt werden.cite-ref-bansal-6-2[6]
âUltrafeinstaubâ
â
Hauptartikel
:
Ultrafeinstaub
In der LuftgĂŒtemessung werden Partikel mit einem thermodynamischen Durchmesser von weniger als 0,1 ”m unabhĂ€ngig von der nĂ€heren Beschaffenheit als ultrafeine Partikel (UP bzw. UFP, âUltrafeinstaubâ) bezeichnet.cite-ref-8[8] Der thermodynamische Durchmesser beschreibt dabei ein kugelförmiges Partikel mit einem identischen Diffusionsverhalten wie das betrachtete Partikel.cite-ref-9[9]
Halbleiter
Halbleiter-Nanopartikel besitzen spezielle Fluoreszenzeigenschaften.cite-ref-10[10] Wie bei makroskopischen Halbleitern gibt es eine BandlĂŒcke, d. h., durch optische Anregung können Excitonen (Elektron-Loch-Paare) erzeugt werden, die bei Rekombination Photonen emittieren, d. h., in Form von Fluoreszenz Licht ausstrahlen. Das besondere bei Halbleiternanopartikeln ist, dass die Energie der Photonen mit der PartikelgröĂe korreliert. Dabei vergröĂert sich die BandlĂŒcke mit kleiner werdender TeilchengröĂe.cite-ref-11[11]
Somit lassen sich aus demselben Material Partikel herstellen, die in verschiedenen Farben fluoreszieren, wobei sich die Farbe (EmissionswellenlĂ€nge) durch die PartikelgröĂe einstellen lĂ€sst. Kleine Partikel emittieren bei kleinerer WellenlĂ€nge (gröĂerer Photonenenergie), gröĂere Partikel bei gröĂeren WellenlĂ€ngen (kleinerer Photonenenergie). Dies ist durch die Quantenmechanik erklĂ€rbar (âTeilchen im Kastenâ-Modell), sogar im einfachsten Modell wird deutlich, dass durch die rĂ€umliche BeschrĂ€nkung (die Elektronen mĂŒssen sich innerhalb des Partikels befinden) der Abstand der Energieniveaus von den rĂ€umlichen Dimensionen (d. h. der PartikelgröĂe) abhĂ€ngig ist. Solche Systeme werden auch als Quantenpunkt bezeichnet, gĂ€ngige Materialien sind Cadmiumchalkogenide, z. B. Cadmiumselenid und Cadmiumtellurid, welche als Quantenpunkte im sichtbaren Bereich emittieren.
Oxidmaterialien besitzen eine sehr groĂe BandlĂŒcke und sind optisch transparent. Durch Dotierung mit Fremdatomen können sie zur Phosphoreszenz gebracht werden.
Kohlenstoffnanoröhren
Kohlenstoffnanoröhren (englisch:carbon nanotubes, CNT) bestehen aus zylinderförmigen Graphitlagen und besitzen einen Durchmesser von 1â100 nm. Die Form der Nanoröhren kann einwandig, mehrwandig oder Y-förmig sein. Sie weisen u. a. eine sehr hohe WĂ€rmeleitfĂ€higkeit, eine hohe ReiĂfestigkeit und extreme ElastizitĂ€t auf, auĂerdem sind sie sehr strapazierfĂ€hig. Sie haben eine 10-mal höhere Zugfestigkeit als Stahl.cite-ref-12[12] Je nach Detail der Struktur ist die elektrische Eigenschaft innerhalb der Röhre leitend oder halbleitend.
Metalle
GegenĂŒber Metallen in gröĂeren Konfigurationen haben metallische Nanopartikel verĂ€nderte chemische Eigenschaften. Dies begrĂŒndet sich in ihrer geringeren GröĂe und dem daraus resultierenden sehr hohen OberflĂ€chen-Volumen-VerhĂ€ltnis. So weist z. B. kolloidales Gold eine stĂ€rkere katalytische Wirksamkeit auf und zeigt, bei sehr kleinen Goldnanopartikeln, einen drastisch niedrigeren Schmelzpunkt.cite-ref-13[13] Hierbei verringert sich der Schmelzpunkt von 1,5 nm groĂen Goldpartikeln von 1064 °C im makroskopischen Festkörper auf etwa 500â600 °C im nanopartikulĂ€ren Zustand.cite-ref-14[14]
Zudem zeigen Alkalimetall-, Kupfer-, Silber- und Goldnanopartikel andere optische Eigenschaften im Vergleich zu den gleichen Metallen in gröĂeren Anordnungen. Sie zeigen in Dispersion eine breite Absorptionsbande im sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums und besitzen somit eine intensive Farbe (charakteristische Farbe von Gold-Kolloiden: rot bis purpurrot).cite-ref-15[15] Dieser Effekt wird durch Partikelplasmonen hervorgerufen.
In der Biochemie und Zellbiologie werden Nanopartikel zur Aufnahme in Zellen verwendet. Zur Ănderung der Funktion der Nanopartikel und zur Vermeidung einer Aggregation werden diese Partikel beschichtet, z. B. zur Bindung von Proteinen bei der zur Transmissionselektronenmikroskopie verwendeten ImmungoldfĂ€rbung oder zur Bindung von DNA bei der Munition der Genkanone.
Nanowasser
Ende 2013 gelang es Forschern in den Vereinigten Staaten von Amerika erstmals, stabile Nanowasser-Tropfen zu erzeugen â mit einem Durchmesser von 25 Nanometern. Dies gelang mittels Elektrospray. Aufgrund der gegenĂŒber normalen Wassertropfen vergröĂerten OberflĂ€chenspannung blieben die Nanowassertropfen bis zu vier Stunden stabil und konnten fĂŒr gewisse Zeit in der Luft schweben, ohne zu verdunsten. DarĂŒber hinaus waren bei der Aufspaltung des Wassers durch den Elektrosprayprozess entstehende hoch reaktive Sauerstoffradikale wie Hydroxyl-Radikale und Superoxide in die Nanotropfen eingekapselt. Aufgrund der zusĂ€tzlichen Ionisierung waren die Tropfen dann extrem aggressiv: sie rissen Löcher in die Zellmembran in der Luft schwebender Bakterien und töteten sie auf diese Weise. Dieser Vorgang fĂŒhrte zur Bildung des Begriffs Nanobombe fĂŒr die Wasserteilchen. Infolge wurde ĂŒber die Verwendung von Nanowasser als â völlig rĂŒckstandsloses â Desinfektionsmittel diskutiert. Bei Inhalationsversuchen mit MĂ€usen wurde eine toxikologische Wirkung z. B. in deren Lungen nicht gefunden, da die Nanowasserteilchen vermutlich auf wĂ€ssrigen OberflĂ€chen sofort neutralisiert wĂŒrden."cite-ref-deutschlandfunk-forschung-aktuell-11-1-014-3-1[3]
Abgrenzung zu Aerosol
Aerosol ist die Sammelbezeichnung fĂŒr die in Gasen mitschwebenden, feinst verteilten (dispergierten), festen und flĂŒssigen Teilchen (Schwebstoffe) unterschiedlicher GröĂe. FĂŒr Nanopartikel, die im Gas suspendiert sind, gelten die gleichen Naturgesetze â unabhĂ€ngig davon, ob sie absichtlich oder unabsichtlich erzeugt wurden.
Nanopartikel in Aerosolen haben z. T. eine kurze Lebensdauer von nur wenigen Stunden, da sie aufgrund ihrer hohen DiffusivitĂ€t schnell mit gröĂeren Partikeln koagulieren.cite-ref-16[16]
So können sich gÀnzlich neue Aerosolpartikel in der AtmosphÀre bilden. Durch Experimente in der Expansionskammer ist es gelungen, Aerosole im Nanobereich von einem bis drei Nanometern zu untersuchen sowie die Bildung neuer Aerosolpartikel in der AtmosphÀre nachzustellen.cite-ref-17[17]
Der Bereich der Aerosolnanopartikel von 1 bis 10 nm ist von besonderem Interesse, da in dieser GröĂenordnung Quanteneffekte auftauchen und die Bildung von kritischen Clustern und darauffolgend gröĂeren AerosolpartikelmolekĂŒlen zu beobachten ist. Ab einer gewissen PartikelgröĂe werden sie schwerflĂŒchtig, und es können sich Kondensationskeime in einer GröĂenordnung von 100 nm herausbilden.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]
Herstellung
Es haben sich verschiedene Verfahren zur Herstellung von Nanopartikeln etabliert: Man unterscheidet zwischen Bottom-Up- und Top-Down-Verfahrensweisen, je nachdem ob ein Material nanostrukturiert wird (Top-Down) oder z. B. Partikel aus einer fluiden Phase synthetisiert werden.
Top-Down-Verfahren:
âą Mahlprozesse
âą Laserablation
oder ĂŒber Lithographische Verfahren wie:
âą Fotolithografie
âą Elektronenstrahl-Lithographie
âą Nano-Imprint-Lithographie
Bottom-Up-Verfahren:
⹠chemische Herstellung in Lösungen (z. B. Sol-Gel-Methode),
⹠Herstellung im Plasma, bei gasförmigen Edukten, alternativ auch mittels eines beheizten Reaktors (z. B. chemische Gasphasenabscheidung),
⹠Herstellung durch selbst organisiertes diffusionsbegrenztes Wachstum auf OberflÀchen oder mit Templaten (z. B. Hydrothermalsynthese von nanoporösen Cetineiten),
âą Herstellung durch gezielte Nukleation von MolekĂŒlen aus einer ĂŒbersĂ€ttigten FlĂŒssig- oder Gasphase (Ostwald-Reifung bzw. FĂ€llung)
âą Elektrospinnen
âą SMAD (solvated metal atom dispersion)
Je nach Einsatzgebiet der Nanopartikel ist meist eine genau definierte und enge PartikelgröĂenverteilung erforderlich. AbhĂ€ngig von der chemischen Natur der gewĂŒnschten Nanopartikel eignet sich das eine oder andere Verfahren besser, um ein gutes Ergebnis zu erreichen. Meist liefern Verfahren in Lösung oder Verfahren der Selbstorganisierung die besten Ergebnisse. Diese sind aber groĂtechnisch nur schwer oder gar nicht durchfĂŒhrbar.
Verwendung
Nanoelektronik
Es ist gelungen, logische Schaltkreise aus Kohlenstoff-Nanoröhren und aus Halbleiter-Nanokabeln zu bilden. Dies könnten die ersten Schritte zur Verwirklichung von Nanocomputern sein.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] DarĂŒber hinaus konnten erste logische Schaltungen mit Zinkoxid-Nanopartikeln demonstriert werden.cite-ref-22[22] Auf Grund der DurchlĂ€ssigkeit fĂŒr elektromagnetische Wellen im sichtbaren WellenlĂ€ngenspektrum sind diese Schaltungen besonders interessant fĂŒr die Realisierung von transparenter Elektronik.cite-ref-23[23] ZusĂ€tzlich lĂ€sst sich das Zinkoxid in seiner nanopartikulĂ€ren Form auch in Druckprozessen abscheiden,cite-ref-24[24] so dass eine Schaltungsintegration im Druckverfahren möglich ist. Da die LeistungsfĂ€higkeit jedoch durch die relativ geringe LadungstrĂ€gerbeweglichkeit reduziert ist, eignen sich die Bauelemente hauptsĂ€chlich fĂŒr sogenannte low-cost/low-performance-Anwendungen. Hierunter fallen zum Beispiel RFID-Tags oder einfache sensorische Aufgaben. Nanokristalle aus Indium-Arsenid werden verwendet, um lichtemittierende Dioden (LEDs) herzustellen. Die StrahlungswellenlĂ€nge liegt bei der von Telekommunikationssystemen. Ein Anwendungsgebiet könnte die Telekommunikationstechnik sein.cite-ref-25[25]
Nanomaterialien
Nanopartikel werden bereits bei der Herstellung vieler Produkte verwendet. Als Ă€ltester Nanowerkstoff wird teilweise Beton genannt, obwohl erst lange nach seiner ersten Verwendung erkannt wurde, dass dieser seine Festigkeit Kristallstrukturen verdankt, die lediglich einige Nanometer groĂ sind. Ob âMarmor von der Rolleâ, Fassadenputz, der durch Beimischung von Nanopartikeln Schadstoffe und unangenehme GerĂŒche beseitigt oder Nanopartikel auf Dachziegeln, die ein Wachstum von Algen verhindern sollen â es gibt sehr viele Möglichkeiten, Materialien mit Hilfe der Nanotechnologie zu verbessern.cite-ref-26[26]
Etliche kosmetische Produkte, wie verschiedene Sonnencremes, Deodorants und Zahnpasten enthalten Nanopartikel, wie Titandioxid (TiO2) (E 171) und Aluminiumoxid (Al2O3). Auch Lebensmitteln werden bereits Nanopartikel beigesetzt. In Tomaten-Ketchup dient Siliziumdioxid (E 551) als Verdickungsmittel, Titandioxid wird zur Aufhellung von Salatdressings verwendet und Aluminiumsilikat wirkt der Verklumpung pulverförmiger Lebensmittel entgegen.cite-ref-27[27]
Das NanoEnergieTechnikZentrum (NETZ) forscht mit Nanokompositen an leistungsfĂ€higeren Elektroden von Lithium-Ionen-Batterien, die durch die vergleichsweise gröĂere reaktive OberflĂ€che der Nanokomposite eine höhere Energiedichte und Leistungsdichte erhalten können.cite-ref-28[28]
Weitere Beispiele sind Nanopartikel in Farben und Lacken sowie ImprĂ€gniermitteln fĂŒr alle Arten von OberflĂ€chen, welche Schutz vor mechanischer BeschĂ€digung bieten sollen.
Im Oktober 2009 warnte das Umweltbundesamt vor Gesundheitsgefahren, die aus dem industriellen Einsatz von Nanotechnologie in Nahrungsmitteln, KleidungsstĂŒcken, Kosmetika und anderen Produkten resultieren können.cite-ref-umweltbundesamt-29-0[29] Kurz darauf relativierte das Umweltbundesamt seine Aussagen jedoch wieder.cite-ref-30[30] FĂŒhrende Schweizer Wissenschaftler Ă€uĂerten sich ebenfalls ĂŒberrascht ĂŒber die Aussagen des Umweltbundesamtes in seiner Studie aus dem Oktober 2009.cite-ref-31[31] Trotzdem hat Bio Suisse die Zulassung von E 551 als Trennmittel in GewĂŒrzen, wegen Bedenken in Bezug auf die enthaltenen Nanopartikel, auf Anfang 2019 beendet.cite-ref-32[32]
Zinkoxid-Nanopartikel, welche als UV-Absorber in Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden, können mit einer VerÀnderungen des Darms und einer Verringerung der NÀhrstoffaufnahme einhergehen.cite-ref-33[33]
Nanotechnik in der Medizin
Siehe auch
:
Nanobiotechnologie
und
International Journal of Nanomedicine
Durch die Nanotechnologie eröffnet sich ein weites Feld fĂŒr medizinische Anwendungen, die sich bewĂ€hrt haben oder zumindest teilweise klinisch erprobt sind:
âą Ein Beispiel ist das Knochenersatzmaterial aus Hydroxylapatit,cite-ref-34[34] das u. a. bei Zahnimplantaten seit den 1980er Jahren als Hilfsmittel dient. Knochenbildende Zellen können aufgrund der nanokristallinen Struktur des Ersatzmaterials einwandern und die Knochenersatzmasse durch natĂŒrlichen Knochen ersetzen.cite-ref-nanomedizin2006-35-0[35]
âą Die speziellen Eigenschaften der Nanomaterialien können genutzt werden, um gezielt die Blut-Hirn-Schranke fĂŒr Therapeutika passierbar zu machen.cite-ref-uba-36-0[36] Auch das gezielte Einbringen von Medikamenten in den Körper könnte durch die Nanotechnologie ermöglicht werden. Ein weiteres Beispiel ist die Injektion von Liposomen (mikroskopisch kleine BlĂ€schen aus Phospholipiden), die mit bestimmten MolekĂŒlen beschichtet wurden. Liposomen können beispielsweise in der Krebstherapie eingesetzt werden, da die BlutgefĂ€Ăe von Tumoren eine gröĂere DurchlĂ€ssigkeit (EPR-Effekt) fĂŒr die Liposomen haben als die BlutgefĂ€Ăe in gesunden Geweben. Somit reichern sich die Liposomen in den Tumoren an. Wirkstoffe können so gezielt eingesetzt werden.cite-ref-nanomedizin2006-35-1[35] Zudem ist es möglich, die Substanz in ein ganz bestimmtes Körpergewebe zu dirigieren.cite-ref-37[37]
âą Durch gezielte Markierung bestimmter Zellen (z. B. Stammzellen, dendritische Zellen) beispielsweise mit Nanopartikeln aus Eisenoxiden, lassen sich die zu therapeutischen Zwecken verabreichten Zellen nicht-invasiv mit bildgebenden Techniken wie der Magnetresonanztomographie zu verschiedenen Zeitpunkten darstellen.cite-ref-38[38]
âą Eine erste Krebsbehandlung mit Nanopartikeln aus Paclitaxel-Albumin ist bereits mit dem Medikament Abraxane (Hersteller Celgene) beim metastasierten Mammakarzinom (Brustkrebs) zugelassen. Die Krebsbehandlung mit Nanopartikeln aus Eisenoxid stellt ein weiteres Forschungsgebiet dar (siehe Nanotechnologie).
âą Mit in magnetisch beeinflussbare NanohĂŒllen eingelagerten Rinderspermien gelangen unter Laborbedingungen bereits so genannte âassistierteâ kĂŒnstliche Befruchtungen.cite-ref-39[39]
âą Im Januar 2020 entwickelten Forscher ein Nanopartikel, das innerhalb des Körpers Zellen des Immunsystems â Monozyten und Makrophagen â dazu bringt, Plaques in den Wandschichten arterieller BlutgefĂ€Ăe aufzufressen. Das Partikel enthĂ€lt Kohlenstoffnanoröhren, welche eine Droge enthalten, welches das Gen SHP1 der Blutzellen deaktiviert. Solche Plaques â gröĂtenteils eingelagerten Fette â verursachen Atherosklerose, die derzeit hĂ€ufigste Todesursache weltweit.cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]
âą In bestimmten neuen Arten von Impfstoffen werden Nanopartikel aus BiomolekĂŒlen als TrĂ€gersubstanz eingesetzt. Ein Beispiel hierfĂŒr sind mRNA-Impfstoffe wie Tozinameran (Comirnaty von Pfizer/BioNTech) und Elasomeran (Spikevax von Moderna), bei denen die mRNA in Lipid-Nanopartikel âverpacktâ ist, um die Aufnahme in die Zellen der geimpften Person zu erleichtern. Ein anderes Beispiel sind rekombinante Untereinheitenimpfstoffe auf Grundlage von Protein-Nanopartikeln wie GBP510, bei denen die Antigene auf einem Nanopartikel-GerĂŒst prĂ€sentiert werden.
âą Durch die kovalente Bindung von Thiolteilstrukturen an der OberflĂ€che von Nanopartikeln oder durch das Ăberziehen mit Thiomeren können hohe mukoadhĂ€sive Eigenschaften und Eigenschaften zu einer verbesserten Zellaufnahme vermittelt werden, die fĂŒr die Verabreichung von verschiedenen Wirkstoffen vorteilhaft sind.cite-ref-45[45]
MilitÀrischer Einsatz
Die vielfĂ€ltigen Einsatzgebiete der Nanotechnik eröffnen auch der Nutzung im militĂ€rischen Bereich neue Möglichkeiten. So sind beispielsweise kleine, eingebaute Rechner in Waffen oder Uniformen denkbar und auch das Implantieren von Nanotechnik in die Körper von Soldaten beispielsweise zur Kommunikation, Ăberwachung oder der Abgabe von Medikamenten.cite-ref-46[46] Ebenso sind im Bereich der biologischen und chemischen Waffen neue Anwendungen absehbar, auch zur Detektion und medizinischen Behandlung.
Umwelttechnischer Nutzen
Das VerhÀltnis von Nutzen und Gefahren der Nanotechnologie ist umstritten. Die Technologie könnte Potentiale zur Entlastung der Umwelt bieten, allerdings befinden sich viele der Anwendungen noch in der Entwicklung.
âą Nanomaterialien können als Bindemittel fĂŒr Umweltgifte genutzt werden. So wurde am Beispiel zweier als natĂŒrliche Nanopartikel vorkommende Minerale (Allophan und ein Smektit) nachgewiesen, dass sie eine hohe AufnahmekapazitĂ€t fĂŒr Schadstoffe wie z. B. Kupfer oder Naphthalin besitzen.cite-ref-47[47]
âą Von der Rice University wurde ein kostengĂŒnstiges Entfernen (Filterung) von Arsen aus Trinkwasser unter Verwendung von Nano-Magnetit entwickelt.cite-ref-48[48]
âą Eisenoxid-Nanopartikel sind dafĂŒr verwendet worden, Rohöl aus dem Mittelmeer und Glyphosat aus Teichwassern einzufangen. Die UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg ht Verfahren entwickelt, um mit modifizierten Eisenoxid-Nanopartikeln auch Mikroplastikcite-ref-49[49] und per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS)cite-ref-50[50] aus dem zu Wasser entfernen.
âą Nanotechnikbasierte Sensoren sollen sich wegen ihres geringeren Gewichtes sehr energieeffizient betreiben lassen. Diese Sensoren werden vorrangig fĂŒr den biomedizinischen und im militĂ€rischen Bereich entwickelt. Auch in der Umweltanwendung fĂŒr den optimierten und spezifischen Nachweis biologischer und chemischer Verunreinigungen können sie verwendet werden.
âą Mit dem Einsatz nanotechnikbasierter Leuchtdioden (LED) lĂ€sst sich angeblich fĂŒr die Beleuchtung eine drei- bis fĂŒnffach erhöhte Energieeffizienz im Vergleich zur Beleuchtung mit einer herkömmlichen Kompaktleuchtstoffröhren erreichen. Die Verwendung von Farbstoffsolarzellen verspricht laut UBA eine höhere Effizienz des Lichteinfangs durch nanometerfeine Verteilung eines lichtabsorbierenden Farbstoffs.cite-ref-uba-36-1[36]
âą In modernen Autoreifen werden bereits Siliziumdioxid- und NanoruĂpartikel zur MaterialverstĂ€rkung eingearbeitet. Sie sollen einen geringeren Rollwiderstand bewirken und so dabei helfen, bis zu zehn Prozent Kraftstoff einzusparen.cite-ref-uba-36-2[36]
âą Die Abgasreinigung bei Kraftfahrzeugen soll durch nanoporöse Filter verbessert werden um RuĂpartikel aus Abgasen zurĂŒckzuhalten.cite-ref-uba-36-3[36]
âą Durch die Verringerung der Schichtdicke von Lacken lassen sich Rohstoffe einsparen. Ferner könnten angeblich auf umwelt- und gesundheitsbedenkliche Chrom-VI-Lacke beim Korrosionsschutz fĂŒr Metalle wegen nanotechnikbasierter OberflĂ€chen verzichtet werden.cite-ref-uba-36-4[36] Die Verwendung nanopartikelhaltiger Autolacke verspricht durch die keramikartige kristalline Struktur mehrerer hauchdĂŒnner Schichten einen geringeren VerschleiĂ. Laut Mercedes verfĂŒge dieser Nanolack, der bereits seit zwei Jahren verwendet wird, nach rund 100 WaschstraĂendurchfahrten noch ĂŒber 72 Prozent âRestglanzâ, beim herkömmlichen Lack sei bei gleicher Belastung nur noch 35 Prozent der Neuwagen-Brillanz ĂŒbrig. Dieser Lack trĂ€gt also dazu bei, dass man sein Auto nicht so oft waschen mĂŒsste und somit Wasser einsparen könnte und das Grundwasser weniger verunreinigt. Laut Angaben der Hersteller sei kein Gesundheitsrisiko vorhanden, da die Nanopartikel in einer Matrix gebunden vorliegen. Ăhnliche Nanolacke werden auch als Wandfarbe verwendet.cite-ref-51[51]
Entsorgung
Laut einem Artikel des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt (BMU) sind Ăberlegungen zur Entsorgung von Nanopartikeln immer noch mit einem Fragezeichen versehen.cite-ref-52[52] Beim Erstellen von Entsorgungsrichtlinien muss berĂŒcksichtigt werden, ob die Partikel frei oder an eine Matrix gebunden vorliegen, ob sie wasserlöslich sind oder nicht, ob sie zerfallen oder sich zusammenlagern. Es gibt nicht âdas Nanopartikelâ, jeder Stoff muss individuell betrachtet werden, und dazu mĂŒssen zunĂ€chst die verschiedenen Partikel charakterisiert und normiert werden.cite-ref-rappolder-53-0[53]
Zur Entsorgung von Nanopartikeln gibt es bislang nur wenige Erfahrungen und Erkenntnisse. Erste wissenschaftliche Untersuchungen im Zusammenhang mit ihrer Verbrennung zeigten, dass sie dabei weitestgehend nicht in den Abgasstrom gelangten, sondern in der jeweiligen Asche und Schlacke verblieben. Weitere Untersuchungen sind im Gang: Unklar ist zum Beispiel, was mit ins Wasser oder KlÀrschlamm gelangten Nanopartikeln aus beispielsweise Kosmetika geschieht.cite-ref-54[54]
Mögliche Risiken
Die enorme ReaktivitĂ€t von Nanopartikeln und der drastische Anstieg in Herstellung und Anwendung der unterschiedlichsten Arten von Nanopartikeln können ein breites Spektrum an möglichen Gefahren fĂŒr Mensch und Umwelt eröffnen. Untersuchungen zur Ăkotoxikologie von Nanoplastik legen nahe, dass sie ĂŒber die Nahrungskette Mensch und Tier erreichen und gesundheitliche BeeintrĂ€chtigungen hervorrufen können. AuĂerdem konnte nachgewiesen werden, dass Nanoplastik die Zellmembran lebender Organismen schĂ€digen kann.cite-ref-cor-55-0[55]
Daher ist es notwendig, vorab zu prĂŒfen, wo es möglich ist, bereits wĂ€hrend der Herstellungsprozesse auf potenziell schĂ€dliche Nanopartikel zu verzichten, insbesondere, wenn der direkte Nutzen begrenzt ist. Das Umweltbundesamt empfiehlt in einer Studie, Produkte mit den kleinen Partikeln so lange zu vermeiden, wie ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind.cite-ref-umweltbundesamt-29-1[29] Eine japanische Studie kam zu dem Schluss, dass Nanopartikel die Hirnentwicklung bei Föten beeinflussen können. Mehrere auf Tierversuchen basierende Studien zeigten wiederholt, dass Nanopartikel zu EntzĂŒndungen der Lunge fĂŒhren.cite-ref-umweltbundesamt-29-2[29]
Zahlreiche Untersuchungen zeigen mögliche umweltschĂ€digende und gesundheitsschĂ€dliche Aspekte der Nanotechnologien auf, so zum Beispiel die Aufnahme der Partikel in den Organismus ĂŒber die Atemwege, die Haut und den Mund, auch bei bereits auf dem Markt befindlichen Produkten wie Kosmetika und Nahrungszusatzstoffen. Aus wissenschaftlicher Sicht wĂ€re es dennoch möglich, einige Nanomaterialien, sobald deren UnschĂ€dlichkeit nachgewiesen wurde, mit entsprechenden Umweltzeichen auszuzeichnen.cite-ref-56[56]
Mechanische ToxizitÀt
Risiken fĂŒr den Menschen
Nanopartikel können auf Grund ihrer kleinen AusmaĂe (10â100 nm) ĂŒber die Haut, die Atemwege (vgl. Einatembare Fraktion) und ĂŒber den Magen-Darm-Trakt in den Körper aufgenommen werden und sich dort ĂŒber den Blutkreislauf im gesamten Organismus verteilen.
Bei Herstellung, Konsum und Verwendung von nanopartikelhaltigen Produkten kommen Menschen mit diesen potenziell gesundheitsschĂ€dlichen Substanzen in Kontakt. Werden die Partikel in den Organismus aufgenommen, könnten sie dort erheblichen Schaden anrichten und Ursache fĂŒr Krankheiten sein. Hierzu laufen zahlreiche Untersuchungen, welche die derzeitigen Kenntnisse zur Toxikologie und Ăkotoxikologie von Nanomaterialien erweitern sollen. Eine GefĂ€hrdung der Arbeitnehmer bei der Herstellung von Nanomaterialien kann bei Befolgung der geltenden Regeln zur Sicherheit am Arbeitsplatz ausgeschlossen werden.
GrundsĂ€tzlich muss darauf hingewiesen werden, dass in bislang durchgefĂŒhrten Untersuchungen keine einheitlichen Standards fĂŒr die Charakterisierung der verwendeten Materialien und fĂŒr die DurchfĂŒhrung der Messung angewandt wurden. Forschungsprojekte wie das vom Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung unterstĂŒtzte Projekt NanoCare stellen hier erste verbindliche Arbeitsanweisungen zur VerfĂŒgung.cite-ref-58[58]
âą Bei der Verwendung von Nano-ImprĂ€gniersprays beispielsweise können Nanopartikel ĂŒber die Atemluft in die Lunge aufgenommen werden. In der Lunge gelangen Nanopartikel bis in den Bereich der LungenblĂ€schen (Alveolen), im Unterschied zu gröĂeren Partikeln. Sie werden dort zum Auslöser heftiger EntzĂŒndungen des Lungengewebes. AuĂerdem findet an dieser Stelle ebenfalls der Ăbertritt der Partikel in die Blutbahn statt.cite-ref-peter-p-59-0[59] Dabei treten kleinere Partikel einfacher in das Blut ĂŒber und können anschlieĂend die Blut-Hirn-Schranke durchdringen.cite-ref-uba-36-5[36]cite-ref-oberd-rster-60-0[60]
âą Bei einer 2009 veröffentlichten Untersuchung der Wirkung von Kohlenstoffnanoröhrchen auf das Lungengewebe von MĂ€usen wurde deutlich, dass die Röhrchen wie Asbestfasern zum Brustfell vordringen.cite-ref-61[61] Dort sammelten sich in Folge Fresszellen des Immunsystems, zwei Wochen nach Einatmen des Feinstaubes (in einmaliger, hoher Dosis) bildeten sich Narben am Lungengewebe, das Gewebe wurde also gereizt. Die Forscher befolgen dieselben VorsichtsmaĂnahmen wie bei der Verwendung von Asbest, solange das Risiko nicht deutlicher geklĂ€rt ist.
âą GrundsĂ€tzlich konnte nachgewiesen werden, dass Nanopartikel, die ĂŒber die Riechschleimhaut aufgenommen werden, ĂŒber die Nervenbahnen des Riechkolbens und unter Passage der Ă€uĂerst selektiven Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn gelangen.cite-ref-roblegg-62-0[62] Der Schutz des Gehirns vor hochreaktiven und vermutlich gewebeschĂ€digenden Substanzen ist somit aufgrund der GröĂe der Nanopartikel nicht mehr gewĂ€hrleistet.
âą Als Folge der Aufnahme von Nanopartikeln kann es vor allem bei Menschen, die an Arteriosklerose und Herzerkrankungen leiden, zu einer Verschlimmerung der bestehenden Erkrankung und zu Ablagerungen in unterschiedlichen Organen, wie Milz, Leber, Knochenmark etc. kommen.cite-ref-roblegg-62-1[62]
âą Der Verzehr von Lebensmitteln, die mit Nanopartikeln versetzt sind, ermöglicht die Aufnahme der potenziell schĂ€dlichen Substanzen ĂŒber die SchleimhĂ€ute des Magen-/Darmtraktes in die Blutbahn. Im Darm werden Nanopartikel von den Peyer-Plaques aufgenommen. Auch bei der Aufnahme von Nanopartikeln ĂŒber den Magen-Darm-Trakt gilt, je kleiner die Partikel sind, desto gröĂer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Ablagerung der aufgenommenen Partikel in bestimmten Geweben und Organen und zur SchĂ€digung derselben kommt.cite-ref-roblegg-62-2[62]
âą Eine weitere Möglichkeit der Aufnahme von Nanopartikeln in den Organismus erfolgt möglicherweise ĂŒber die Haut, zum Beispiel durch das direkte Auftragen von nanopartikelhaltigen Kosmetika.cite-ref-roblegg-62-3[62] Einige Studien widerlegen eine Aufnahme von Nanopartikeln bis zu lebenden Zellschichten des Epithelgewebes; andere Untersuchungen geben Hinweise auf gegenteilige Befunde. So könnten in Kosmetikprodukten enthaltene Nanopartikel ĂŒber die Hornhaut direkt, oder ĂŒber Haarwurzeln in die Haut aufgenommen werden und dort zur SchĂ€digung der Zellen durch Radikalbildung fĂŒhren und möglicherweise Hautirritationen und -allergien auslösen. Neuere Untersuchungen mit modernen Methoden zeigten jedoch, dass die dermale Aufnahme von Nanomaterialien, soweit sie in Kosmetika verwendet werden, wenn ĂŒberhaupt, sehr gering ist. Der wissenschaftliche Ausschuss fĂŒr Verbrauchersicherheit (Scientific Committee on Consumer Safety, SCCS) bei der EuropĂ€ischen Kommission hat sich grundlegend mit den Sicherheitsfragen von Nanomaterialien in Kosmetika befasst und kam nach Auswertung der einschlĂ€gigen Literatur zum Schluss, dass in der Regel ein vereinfachtes Verfahren zur Bewertung der Nanomaterialien in Kosmetika bei der Anwendung auf der Haut angewendet werden kann und hat dies in einer ausfĂŒhrlichen Stellungnahme begrĂŒndet.cite-ref-63[63] Auch fĂŒr einige Nanomaterialien, die zum Beispiel in Sonnenschutzmitteln als effektiver physikalischer Schutz vor Sonnenlicht eingesetzt werden, liegen ausfĂŒhrliche Stellungnahmen des SCCS vor, die die Unbedenklichkeit der Verwendung in Kosmetika belegen. Diese wissenschaftlich begrĂŒndete Unbedenklichkeit ist Voraussetzung fĂŒr die Zulassung und Aufnahme in die entsprechenden AnhĂ€nge der EuropĂ€ischen Kosmetika-Verordnung 1223/2009/EG, zum Beispiel fĂŒr Nano-Titandioxid, Nano-Zinkoxid und ein weiteres Nanomaterial auf organisch-chemischer Basis (Trisbiphenyltriazine), wĂ€hrend Nano-RuĂ nach entsprechender Bewertung durch das SCCS als FĂ€rbungsmittel in Kosmetika zugelassen ist.cite-ref-64[64] Das SCCS hat jedoch die inhalative Aufnahme der vorgenannten Nanomaterialien wegen ungeklĂ€rter möglicher Risiken nicht als unbedenklich eingestuft.cite-ref-65[65] Deshalb ist die Verwendung dieser Nanomaterialien etwa in Druckgas-Spraydosen derzeit nicht zulĂ€ssig.
âą âMedizinisch eingesetzte Nanopartikel können die DNA schĂ€digen, ohne dafĂŒr in die Zellen eindringen zu mĂŒssen. Das zeigt eine jetzt in âNature Nanotechnologyâ veröffentlichte Studie an in Kultur gehaltenen Zellen.âcite-ref-66[66]
âą In einer Studie wurde festgestellt, dass in die Blutbahn gelangte Nanopartikel dort aufgrund ihrer molekularen Anziehungskraft innerhalb von Sekunden von einer EiweiĂ-Korona, einem Kranz aus bis zu 300 körpereigenen Proteinen, umhĂŒllt wurden; diese Korona verĂ€nderte sich nach ihrer Entstehung praktisch nicht mehr. Die Wirkung im Körper blieb unklar.cite-ref-67[67]
Risiken fĂŒr die Umwelt
Es ist nicht klar, ob diese ökologischen Risiken und Gefahren auch fĂŒr in TrĂ€gersubstanzen (Lacke, Fassadenfarben, Textilien) oder technische GerĂ€te (Informationstechnologie) eingebrachte Nanopartikel gilt. Der derzeitige Stand der Wissenschaft lĂ€sst keine verlĂ€sslichen Aussagen ĂŒber die Gefahr und die GesundheitsschĂ€dlichkeit bezĂŒglich nanoskaliger Inhaltsstoffe und Komponenten zu. Es ist nach wie vor zu klĂ€ren, ob auf Grund bestimmter WitterungsverhĂ€ltnisse oder durch mechanische Belastung Nanopartikel aus Fassadenfarben, Autoreifen oder -lacken in Form nanoskaligen Abriebs austreten können.
Kommt es zu Auswaschung nanoskaliger Partikel aus festen TrĂ€gersubstanzen, so ist eine Belastung fĂŒr Umwelt und Organismen möglich. Die Anwendung nanoskaliger Verbindungen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gleichbedeutend mit ihrem Eintrag in die Umwelt bzw. deren Eintritt in Nahrungsketten. Selbst wenn durch die Nanomaterialien als solche keine direkten SchĂ€den verursacht werden sollten, könnten Nanopartikel aufgrund ihrer hohen ReaktivitĂ€t andere Schadstoffe binden und ihnen den Transport in der Luft oder im Wasser erleichtern.cite-ref-krug-68-0[68] Das GefĂ€hrdungspotential besteht vor allem durch die Bindung an und von toxischen Substanzen, die Mobilisierung von Schwermetallen, Bindung von NĂ€hrstoffen im Grundwasser, Anreicherung ĂŒber die Nahrungskette, weltweite Verbreitung ĂŒber die Luft und VerĂ€nderung der Mikrofauna durch biozide Wirkung in Boden und Wasser.cite-ref-rappolder-53-1[53]
Die Umwelt-Bereiche, in denen Nanopartikel ein Risiko darstellen können hinsichtlich des Mediums bzw. Lebensraum, z. B. Luft oder Wasser, oder der gefÀhrdeten Lebewesen, wie Pflanzen, Tiere und Menschen unterteilt werden. Die im Folgenden genannten Risiken sind nur Beispiele und keinesfalls als vollstÀndig anzusehen, vor allem da dieser Bereich weiterhin Gegenstand aktiver Forschung ist.
Auf das Verhalten von Nanopartikeln in der Luft wird im Abschnitt âRisiken bei der Herstellungâ bzw. im Artikel Ultrafeinstaub nĂ€her eingegangen. Im Wasser können Partikel aufgrund der Bindung anderer Substanzen grundlegend ihre Eigenschaften Ă€ndern, sodass beispielsweise ihre Aufnahme durch Organismen erleichtert wĂŒrde: Entweder die Partikel selbst oder an sie gebundene Schadstoffe könnten in den Organismen negative Effekte auslösen.cite-ref-krug-68-1[68] Die biologische AktivitĂ€t der Nanopartikel hĂ€ngt ab von ihrer GröĂe, Form, Chemie, OberflĂ€che und Löslichkeit.
In Wasser enthaltenes Nanoplastik kann von Wasser- und KlĂ€rwerken nicht immer eliminiert werden und kann so ĂŒber das Trinkwasser in die Nahrungskette gelangen. ZusĂ€tzlich erreicht Nanoplastik sowohl Tiere als auch Menschen ĂŒber den Verzehr von Fisch, Muscheln oder Garnelen.cite-ref-69[69] In der Trinkwasseraufbereitung werden durch die Sandfilter rund 99,9 % des im Rohwasser vorliegenden Nanoplastiks entfernt.cite-ref-70[70]cite-ref-71[71]
Hinweise zu negativen bzw. hemmenden Effekten von Nanopartikeln auf das Wurzelwachstum von Pflanzen ergeben sich aus einer Studie von Ling Yang und Daniel J. Watts vom New Jersey Institute of Technology.cite-ref-72[72]
BezĂŒglich der Risiken fĂŒr Tiere gibt es diverse Studien, von denen einige hier kurz erwĂ€hnt werden sollen. Untersuchungen mit Fischen geben Hinweise darauf, dass Nanopartikel auch biologische Barrieren wie die Blut-Hirn-Schranke durchdringen können. Die so genannten C60-MolekĂŒle (auch âBuckminster-Fullereneâ) werden schon bei relativ niedrigen Konzentrationen ĂŒber die Kiemen aufgenommen. Die Verteilung der Nanopartikel im Körper scheint abhĂ€ngig von GröĂe, Form und Stoffeigenschaften zu sein.cite-ref-oberd-rster-60-1[60] Versuche schwedischer Forscher lassen darauf schlieĂen, dass kommerziell hergestellte Polystyrol-Nanopartikel, die ĂŒber die Nahrungskette aufgenommen werden, das Fressverhalten und den Fettstoffwechsel bei Fischen beeinflussen können.cite-ref-73[73]cite-ref-74[74] In einem generationenĂŒbergreifenden Versuch mit Wasserflöhen stellte sich heraus, dass Nachkommen von mit Titandioxid behandelten Tieren, welche selbst nie Kontakt mit Titandioxid hatten, dem Stoff gegenĂŒber empfindlicher waren: sie hĂ€uteten sich nicht wie ĂŒblich oder starben; es mĂŒsste âalso eine Ăbertragung einer SchĂ€digung von den Eltern auf die nachfolgenden Generationen stattgefunden habenâ.cite-ref-75[75]
Risiken bei der Herstellung
Durch Fehler in der Apparatur können Nanopartikel bei ihrer Synthese in die Umgebung abgegeben werden. Dabei ist ein solcher Unfall wesentlich schwerer zu ermitteln als bei gröĂeren Partikeln, weil die Konzentrationen, in denen Nanopartikel vorliegen meist sehr niedrig sind. Nanopartikel bewegen sich sehr schnell und können in der Luft groĂe Strecken zurĂŒcklegen. Sie verteilen sich somit in kĂŒrzester Zeit im Raum, sodass nicht nur Bereiche in der direkten Umgebung kontaminiert werden, sondern auch weiter entfernte Bereiche und Personen. Zur Kontrolle sind hier hochempfindliche Gasdetektionssysteme notwendig.cite-ref-krug-68-2[68]
Momentan sind weder geeignete Masken noch Hochleistungsfilter verfĂŒgbar, die direkt ausgesetzten Personen einen ausreichenden Schutz bieten.cite-ref-peter-p-59-1[59] Zwar unterliegen Nanopartikel durch Kollision und Zusammenlagerung einem schnellen Wachstumsprozess, jedoch handelt es sich aber bei den aggregierten Partikeln meist immer noch um Nanopartikel.cite-ref-krug-68-3[68]
Siehe auch
Literatur
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Weblinks
Commons
: Nanopartikel
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą copublications.greenfacts.org: Nanotechnologien
âą nanopartikel.info: Willkommen bei DaNa2.0 (Daten und Wissen zu Nanomaterialien)
âą nanosafe.org: Safe production and use of nanomaterials
âą Nanoproduktdatenbank nanowatch (Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland/BUND)
âą nanowissen.bayern.de: Video: Nano â Was ist das?
Einzelnachweise
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